Sprachentwicklungsverzögerungen (SEV) und Sprachentwicklungsstörungen (SES) im Kindesalter
Die Ursachen für Sprachentwicklungsverzögerungen und -störungen sind sehr vielfältig. In den meisten Fällen treffen mehrere Faktoren zusammen, die dann zu Auffälligkeiten bei der Sprachentwicklung führen. Hierbei kann es es sich um organische Faktoren (z.B. Hörminderung durch Paukenergüsse, neurologische Störungen, etc.), erbliche Faktoren (familiäre Sprachschwäche), soziokulturelle Faktoren (z.B. Zweisprachigkeit) und psychische Faktoren handeln.
Ebenso wie die Ursachen vielfältig sind, machen sich auch die Sprachentwicklungsverzögerungen und -störungen auf unterschiedliche Weise bemerkbar:
Verspäteter Sprechbeginn („Late Talker“)
Etwa 15% aller Kinder im Alter von 2 Jahren sprechen noch nicht oder nur sehr wenig, ohne dass hierfür eine Ursache erkennbar wäre. In diesen Fällen spricht man von „Late Talkern“. Unsere Praxis bietet hier intensive Elternberatung und gebenenfalls auch schon in diesem frühen Alter eine logopädische Therapie an.
Phonologische Störungen oder Verzögerungen
Bei phonologischen Störungen und Verzögerungen werden Laute weggelassen („Litten“ statt „Schlitten“) und/oder vertauscht („Tuh“ statt „Kuh“).
Es fällt auf, dass die betroffenen Kinder die Laute an sich zwar häufig sprechen können, sie im Wort aber nicht korrekt verwenden.
Störungen der Artikulation (Phonetische Störung/ Dyslalie)
Bei einer Artikulationsstörung wird ein Laut nicht korrekt gebildet. Das wohl bekannteste Beispiel ist das sog. Lispeln (Sigmatismus), aber auch der Laut /sch/ ist häufig betroffen (Schetismus).
Dysgrammatismus
Der Dysgrammatismus ist gekennzeichnet durch Störungen beim Erwerb oder der Verwendung der Wort- und Satzbildung. Hierbei können mehrere Formen einzeln oder miteinander kombiniert auftreten:
- Auslassen von Wörtern und Satzteilen („Mama Auto“)
- falsche Stellung der Wörter im Satz („Ich in den Kindergarten gehe.“)
- fehlende Form, z.B. Verwendung eines falschen Artikels („der Katze“), fehlende Beugung von Verben („ich laufen“, „ich bin gelauft“)
Eingeschränkter Wortschatz/Wortfindungsstörungen
Kinder mit eingeschränktem Wortschatz haben gemessen an ihrem Alter nicht genügend Wörter zu Verfügung. Sie fallen dadurch auf, dass sie für verschiedene Dinge stets das gleiche Wort einsetzten („Happa“ für alle Lebensmittel) oder viele „Platzhalter“ verwenden („Das da“). Hierbei weichen viele Kinder in Gestik und Mimik aus, um sich verständlich zu machen.
Bei Wortfindungsstörungen ist der Abruf der Wörter gestört. Das heißt, dass das Wort zwar prinzipiell im Wortschatz vorhanden ist, das Kind aber „nicht darauf kommt“. Statt dessen wird der gesuchte Begriff häufig umschrieben.
Sprachverständnisstörungen
Kinder mit Sprachverständnisstörungen können einfache, alltägliche Äußerungen teilweise recht gut verstehen und entsprechend adäquat reagieren („Bring mir mal bitte Deine Jacke.“). Bei etwas komplexeren Äußerungen, wie z.B. Geschichten, können sie jedoch nicht mehr folgen.
Neben der logopädischen Therapie von Sprachentwicklungsverögerungen finden Sie bei uns auch weitere Angebote rund um das Thema Sprachentwicklung in der Rubrik Seminare/Fortbildungen.
