Neurologisch bedingte Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen
Bei neurologisch bedingten Störungen liegt ein Defekt im zentralen oder peripheren Nervensystem vor. Hierzu kann es unter anderem durch Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Traumen nach Unfällen, Hirntumoren, Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und Multiple Sklerose aber auch als Folge einer Operation kommen. Je nach dem genauen Ort und der Art der Schädigung kommt es bei den Klienten zu verschiedenen Ausfällen:Aphasie
Eine Aphasie ist eine zentrale Sprachstörung, bei der sowohl die Sprachproduktion (Finden der richtigen Worte, Programmieren der Lautstruktur eines Wortes, Satzbildung, Schreiben) als auch die rezeptive Sprache, also das Sprachverständnis und das Lese-Sinn-Verständnis, betroffen sein können. In der Regel kommt es zu Auffälligkeiten in allen sprachlichen Bereichen.
Aphasien werden in vier Hauptformen unterteilt:
Bei der Amnestischen Aphasie ist in erster Linie das Finden der passenden Wörter betroffen. Die Äußerungen des Betroffenen sind daher häufig stockend, und es werden falsche Wörter verwendet. Dennoch ist es meistens recht gut möglich, sich mit einem amnestischen Aphasiker zu unterhalten.
Die Wernicke Aphasie zeichnet sich dadurch aus, dass das Sprachverständnis des Betroffenen meist erheblich eingeschränkt ist. Seine Äußerungen sind flüssig, aber häufig inhaltsarm. Für den Gesprächspartner ist ein Wernicke Aphasiker daher oft nur schwer zu verstehen.
Menschen mit Broca Aphasie haben starke Wortfindungsstörungen und sprechen meist im Telegrammstil, d.h. sie bilden sehr kurze fragmentarische Sätze, bei denen die vielen „kleinen“ Wörter (Präpositionen, Konjunktionen, etc.) fehlen. Das Sprachverständnis ist bei dieser Aphasieform überwiegend gut erhalten.
Die schwerste Form der Aphasie bezeichnet man als Globale Aphasie. Die Klienten haben massive Einschränkungen des Sprachverständnisses und können meist nur sinnleere Silben oder einzelne Wörter äußern, die in der Regel nicht adäquat sind.
Dysarthrie
Eine Dysarthrie ist eine Sprechstörung, bei der die am Sprechen beteiligten Organe (Zunge, Gaumensegel, Kiefer, Lippen, etc.) in ihrer Motorik eingeschränkt sind. Dysarthrien kommen häufig in Kombination mit Schluckstörungen vor. Das Sprechen der betroffenen Menschen zeigt häufig folgende Auffälligkeiten:
- undeutliche, verwaschene Artikulation
- reduzierte oder erhöhte Sprechgeschwindigkeit
- monotones Sprechen
- unangemessene Sprechlautstärke
- veränderte Sprechatmung
- veränderter Stimmklang
Kommen zu den rein sprechmotorischen Defiziten noch stimmliche Veränderunen hinzu, spricht man von einer Dysartrophonie.
Sprechapraxie
Bei einer Sprechapraxie ist die Bewegungsplanung von Artikulationsbewegungen betroffen. Auf die im Gehirn verankerten Bewegungsmuster, die normalerweise beim Aussprechen von Lauten und Wörtern abgerufen werden, kann nicht mehr zugegriffen werden. Das Gehirn, das den Sprechorganen (Zunge, Gaumensegel, Kiefer, Lippen, etc.) „befiehlt“, welche Bewegungen sie ausführen sollen (z.B. bei „m“ die Lippen aufeinanderlegen), „weiß“ daher nicht, welche „Befehle“ es den Sprechorganen geben soll. Die Folge ist, dass die Klienten nicht mehr in der Lage sind, Sprechbewegungen sinnvoll auszuführen. Typisch ist hier das Auftreten von Suchbewegungen.
In der Regel treten Sprechapraxien in Kombination mit Aphasien auf.
